Core Web Vitals: messen und verbessern, Schritt für Schritt
Nur 48 % der Websites bestehen 2025 die Core Web Vitals auf dem Smartphone. So messen Sie die Werte kostenlos und beheben zuerst, was zählt.
Von Hugo Marceau, Chefredakteur
Aktualisiert am · 6 Min. Lesezeit
Kurz gesagt: Die Core Web Vitals sind drei Messwerte von Google, die beschreiben, wie schnell und stabil eine Website für echte Besucher funktioniert, und laut Web Almanac bestanden 2025 nur 48 % der Websites alle drei auf dem Smartphone. Die meisten Verbesserungen bringen wenige, einfache Maßnahmen (Bilder, Drittanbieter-Skripte, Schriften), umgesetzt in der Reihenfolge, die Ihre echten Nutzerdaten vorgeben.
Eine Website zu bauen war nie so einfach. Sie schnell, stabil und angenehm auf dem Smartphone zu machen, ist eine andere Sache. Dieser Leitfaden richtet sich an Inhaber kleiner Unternehmen, Händler und Kanzleien, die wissen wollen, wo ihre Website steht und was zuerst zu tun ist, ohne selbst Entwickler zu sein.
Was bedeutet Website-Performance eigentlich?
Der Begriff hat zwei Seiten. Die technische: Die Website lädt schnell, reagiert, wenn man auf einen Button tippt, und springt beim Laden nicht hin und her. Die wirtschaftliche: Die Website macht aus Besuchern Anfragen oder Verkäufe. Beide hängen zusammen, denn wer wartet oder nach einem Layoutsprung den falschen Button erwischt, geht eher.
Eine von Google beauftragte Studie von Deloitte und der Agentur 55, veröffentlicht als „Milliseconds make millions“, hat diesen Zusammenhang auf 37 europäischen und amerikanischen Markenwebsites mit über 30 Millionen Sitzungen Ende 2019 untersucht. Laut der Zusammenfassung auf web.dev gaben Kunden im Einzelhandel nach einer Verbesserung der mobilen Ladezeit um 0,1 Sekunden 9,2 % mehr aus, und bei Websites zur Lead-Generierung erreichten 21,6 % mehr Nutzer die Formularseite. Das ist ein beobachteter Zusammenhang auf diesen Websites, in einer Studie im Auftrag von Google: Er zeigt eine Richtung, kein Versprechen für Ihre Website.
Was sind die drei Core Web Vitals?
Google fasst das Nutzererlebnis beim Laden in drei Werte:
| Messwert | Was er misst | Grenzwert „gut“ |
|---|---|---|
| LCP (Largest Contentful Paint) | Zeit, bis das größte sichtbare Element angezeigt wird | 2,5 Sekunden oder weniger |
| INP (Interaction to Next Paint) | Verzögerung, bis die Seite auf Tippen, Klicken oder Tastendruck reagiert | 200 Millisekunden oder weniger |
| CLS (Cumulative Layout Shift) | Unerwartete Verschiebungen des Layouts beim Laden | 0,1 oder weniger |
Bewertet wird laut web.dev am 75. Perzentil aller Seitenaufrufe, getrennt nach Mobilgeräten und Desktop: Drei von vier Besuchern müssen eine gute Erfahrung machen. INP hat im März 2024 den älteren Wert FID abgelöst.
Google empfiehlt in seiner Dokumentation dringend, gute Core Web Vitals zu erreichen, und schreibt, dass die Nutzerfreundlichkeit dem entspricht, was seine Rankingsysteme belohnen wollen. Der wichtigste Rankingfaktor sind sie nicht, Relevanz kommt zuerst. Zwischen zwei gleich relevanten Seiten und für die Conversion ist der Unterschied aber real.
Wie schneiden Websites heute ab?
Das Kapitel Performance im Web Almanac 2025 von HTTP Archive, basierend auf Daten aus dem Juli 2025, liefert eine Momentaufnahme des Webs. Zahlen nur für Deutschland enthält es nicht, die Werte gelten weltweit:
- 48 % der Websites bestehen alle drei Core Web Vitals auf dem Smartphone, nach 44 % im Jahr 2024 und 36 % im Jahr 2023. Am Desktop sind es 56 %.
- LCP ist die Schwachstelle: 62 % der Websites sind auf dem Smartphone „gut“, gegenüber 77 % bei INP und 81 % bei CLS.
- Das langsamste Element ist fast immer ein Bild: auf 76 % der mobilen Seiten.
- Etwa 16 bis 17 % der Seiten laden ihr Hauptbild verzögert per Lazy Loading und bremsen damit genau die Anzeige, die LCP misst.
Mit anderen Worten: Ist Ihre Website langsam, ist der wahrscheinlichste Grund ein großes Bild ganz oben, schlecht vorbereitet oder schlecht geladen.
Wie messen Sie die Core Web Vitals Ihrer Website?
Drei kostenlose Werkzeuge genügen:
- PageSpeed Insights. Geben Sie die URL einer Seite ein. Oben stehen, bei genug Traffic, echte Daten von Chrome-Nutzern aus den letzten 28 Tagen, unten ein Labortest mit Verbesserungsvorschlägen.
- Der Bericht „Core Web Vitals“ in der Google Search Console. Er gruppiert Ihre Seiten nach Problem, zum Beispiel alle Seiten, deren LCP auf Mobilgeräten länger als 2,5 Sekunden dauert. Dieser Bericht sagt Ihnen, welche Seiten Sie zuerst angehen.
- Ihr Analysetool (Google Analytics 4 oder eine datenschutzfreundliche Alternative). Es zeigt Einstiegsseiten, Interaktionsrate und Conversions, damit Sie technische Probleme mit Geschäftsergebnissen verbinden.
Wie Sie die Search Console einrichten, falls noch nicht geschehen, erklärt unser Überblick über die wichtigsten SEO-Tools.
Eine klassische Falle: Der Punktwert von 0 bis 100 im Labortest schwankt von Messung zu Messung und entspricht nicht immer dem, was echte Besucher erleben. Vertrauen Sie zuerst den Felddaten.
Was sollten Sie zuerst verbessern?
Diese Reihenfolge bringt auf der Website eines kleinen Unternehmens, ob WordPress oder nicht, die meiste Wirkung für den geringsten Aufwand.
1. Bilder
- Verkleinern Sie Bilder auf ihre tatsächliche Anzeigegröße: Ein Foto mit 4.000 Pixeln Breite, angezeigt mit 800 Pixeln, verschwendet den größten Teil seines Gewichts.
- Nutzen Sie ein modernes Format (WebP oder AVIF).
- Laden Sie das Bild ganz oben nicht per Lazy Loading, denn es bestimmt oft den LCP. Lazy Loading ist für Bilder weiter unten sinnvoll.
- Geben Sie Breite und Höhe im Code an, damit der Browser den Platz reserviert und das Layout nicht springt (CLS).
2. Skripte von Drittanbietern
Live-Chat, Social-Media-Widgets, Werbepixel, eingebettete Karten, schwere Cookie-Banner: Jedes davon bringt zusätzlichen Code mit. Machen Sie eine Bestandsaufnahme, entfernen Sie, was Sie nicht mehr nutzen, und laden Sie den Rest erst, wenn der Hauptinhalt steht. Das verbessert oft den INP. Ein Nebeneffekt in Deutschland: Weniger Drittanbieter bedeuten auch weniger Dienste, für die Sie nach TDDDG und DSGVO eine Einwilligung einholen müssen.
3. Schriften
Beschränken Sie sich auf zwei Schriftfamilien und wenige Schnitte, hosten Sie sie möglichst auf Ihrem eigenen Server und laden Sie die Schrift der Hauptüberschrift vor.
4. Hosting und Caching
Sehr günstiges Shared Hosting kann schon bei der ersten Anfrage langsam antworten. Aktivieren Sie das Seiten-Caching und vergleichen Sie die Serverantwortzeit, bevor Sie den Anbieter wechseln. Worauf es ankommt, erklärt unser Leitfaden zum Webhosting.
5. Plugins und Page-Builder
Unter WordPress kann jedes Plugin eigene Dateien auf jeder Seite laden. Deaktivieren Sie, was Sie nicht nutzen, und prüfen Sie, ob Ihr Page-Builder Module lädt, die Sie nie verwenden.
Geht es bei Performance nur um Geschwindigkeit?
Nein. Eine schnelle Website, die nicht überzeugt, bleibt hinter ihren Möglichkeiten. Drei Praktiken ergänzen die technische Arbeit.
Nutzertests. Bitten Sie drei oder vier Außenstehende, auf ihrem eigenen Smartphone eine konkrete Aufgabe zu erledigen: Preise finden, einen Termin buchen, ein Angebot anfragen. Schauen Sie zu, ohne zu helfen. Defekte Links, unauffindbare Buttons und zu lange Formulare zeigen sich innerhalb von Minuten.
Seiten mit einem Ziel. Jede wichtige Seite sollte zu einem klaren nächsten Schritt führen. Die Prinzipien einer guten Landingpage gelten auch für eine Leistungsseite.
Aktuelle Inhalte. Eine Website mit jahrealten Informationen verliert das Vertrauen der Besucher. Ein regelmäßig gepflegter Unternehmensblog zwingt dazu, die Website immer wieder anzusehen, und stärkt die Sichtbarkeit in der Suche.
Wie sieht eine typische Korrektur aus?
Nehmen wir die Website einer Steuerberatungskanzlei mit 15 Seiten, die in PageSpeed Insights einen mobilen LCP von 4,1 Sekunden zeigt. Die Diagnose ergibt: Das LCP-Element ist das Teamfoto oben auf der Startseite, 2.400 Pixel breit und vom Theme per Lazy Loading geladen.
Die Maßnahmen, in dieser Reihenfolge: Lazy Loading für dieses Bild abschalten, es auf die Anzeigebreite verkleinern, in WebP umwandeln, dann ein Bewertungs-Widget entfernen, das auf jeder Seite ein externes Skript lädt. Ein halber Tag Arbeit. Die Felddaten aktualisieren sich nach und nach, weil sie die letzten 28 Tage abdecken. Warten Sie also einen Monat, bevor Sie das Ergebnis beurteilen.
Langsamkeit gehört zu den häufigsten SEO-Fehlern, gerade weil sie sich still einschleicht, ein Plugin nach dem anderen. Eine Prüfung pro Quartal in PageSpeed Insights reicht, um sie zu erkennen, bevor sie Besucher kostet.
Häufige Fragen
Welche Grenzwerte gelten für die Core Web Vitals?
Google bewertet eine Seite als gut, wenn das größte sichtbare Element (LCP) innerhalb von 2,5 Sekunden lädt, die Reaktion auf Eingaben (INP) unter 200 Millisekunden bleibt und die visuelle Stabilität (CLS) bei 0,1 oder weniger liegt. Gemessen wird am 75. Perzentil echter Seitenaufrufe, getrennt nach Mobilgeräten und Desktop: Drei von vier Besuchern müssen eine gute Erfahrung machen.
Beeinflussen die Core Web Vitals das Google-Ranking?
Ja, aber in Maßen. Google empfiehlt dringend gute Core Web Vitals und schreibt, dass sie zusammen mit anderen Aspekten der Nutzerfreundlichkeit dem entsprechen, was seine Rankingsysteme belohnen wollen. Relevanz kommt trotzdem zuerst: Eine schnelle Seite, die die Frage nicht beantwortet, rankt nicht. Die Ladezeit zählt vor allem zwischen gleichwertigen Seiten und für die Conversion.
Mit welchem kostenlosen Tool teste ich die Core Web Vitals?
PageSpeed Insights von Google kombiniert einen Labortest mit, bei genug Traffic, echten Daten von Chrome-Nutzern aus den letzten 28 Tagen. Der Bericht „Core Web Vitals“ in der Google Search Console zeigt dann, welche Seiten Ihrer Website Probleme haben, gruppiert nach Art des Problems. So wissen Sie, wo Sie anfangen sollten.
Warum ist meine Website auf dem Handy langsam, am Desktop aber schnell?
Smartphones haben schwächere Prozessoren und weniger stabile Verbindungen. Der Web Almanac zeigt den Abstand: 2025 bestanden 56 % der Websites die Core Web Vitals am Desktop, aber nur 48 % auf dem Smartphone. Zu große Bilder und Skripte von Drittanbietern sind die häufigsten Ursachen, weil sie auf dem Handy viel mehr Lade- und Rechenzeit kosten.
Quellen
- web.dev, Web Vitals (Grenzwerte und 75. Perzentil)
- Google Search Central, Core Web Vitals und Google-Suchergebnisse
- HTTP Archive, Web Almanac 2025, Kapitel Performance (Daten von Juli 2025)
- web.dev, Fallstudie Milliseconds make millions (Deloitte und 55 im Auftrag von Google)
- Google for Developers, Über PageSpeed Insights (Felddaten über 28 Tage)