Was ist PIM? Produktdaten zentral verwalten, einfach erklärt
Ein PIM-System bündelt Produktdaten und liefert sie an Shop, Marktplätze und Kataloge. Was PIM ist, wann es sich lohnt und wie Sie es einführen.
Von Hugo Marceau, Chefredakteur
Aktualisiert am · 5 Min. Lesezeit
Kurz gesagt: Ein PIM-System (Product Information Management) ist der zentrale Ort, an dem Sie Produktdaten erfassen, ergänzen und übersetzen, bevor sie automatisch an Onlineshop, Marktplätze und Kataloge gehen. Es lohnt sich, sobald die Zahl der zu pflegenden Werte (Produkte × Merkmale × Kanäle) über das hinausgeht, was eine Tabelle sicher bewältigt, oft schon ab einigen Zehntausend Zellen.
Das Thema klingt nach Großhandel und Konzern. Tatsächlich betrifft es jedes Unternehmen, das dasselbe Produkt an mehreren Stellen verkauft: einen Hersteller, der Fachhändler beliefert, einen Onlineshop, der zusätzlich auf Amazon, Otto oder Kaufland verkauft, einen Großhändler, der jedes Jahr einen Katalog druckt.
Was ist PIM, ganz praktisch?
Ein PIM erledigt drei Aufgaben:
- Zentralisieren: Jedes Produkt hat genau einen Datensatz mit Merkmalen (Maße, Material, Kompatibilität), Texten, Bildern und Dokumenten (Bedienungsanleitungen, Sicherheitsdatenblätter).
- Anreichern: Verschiedene Personen ergänzen den Datensatz. Die Technik trägt Spezifikationen ein, das Marketing schreibt die Texte, ein Übersetzer liefert die englische oder französische Fassung. Das PIM zeigt, wie vollständig jeder Datensatz pro Kanal ist.
- Verteilen: Das PIM liefert jedem Kanal die Felder, die er erwartet, im Format, das er erwartet. Der Shop bekommt eine lange Beschreibung, der Marktplatz einen Titel mit 150 Zeichen, der Fachhändler eine Tabelle in seinem eigenen Aufbau.
Der Unterschied zur geteilten Excel-Tabelle liegt in einem Wort: Regeln. Ein PIM lehnt eine fehlerhafte GTIN ab, meldet eine fehlende Übersetzung und hält einen unvollständigen Datensatz zurück.
PIM, ERP, DAM und CMS: Wer macht was?
| System | Aufgabe | Beispieldaten |
|---|---|---|
| ERP | Betrieb: Einkauf, Lager, Aufträge, Rechnungen | Einkaufspreis, Bestand, interne Artikelnummer |
| PIM | Verkaufsinformationen, angereichert und übersetzt | Beschreibung, Merkmale, Verkaufsargumente, GTIN |
| DAM | Medienbibliothek | Hochaufgelöste Fotos, Videos, Logos |
| CMS oder Shopsystem | Darstellung auf der Website | Layout, Warenkorb, Kasse |
Viele PIM-Systeme enthalten genug Medienverwaltung für ein KMU. Ein eigenes DAM (Digital Asset Management) lohnt sich erst bei großen Bildmengen oder einem eigenen Kreativteam.
Ab wann lohnt sich ein PIM-System?
Die Zahl der Produkte allein entscheidet nicht. Die nützliche Rechnung multipliziert drei Faktoren:
Anzahl Produkte × Anzahl Merkmale × Anzahl Kanäle (oder Sprachen)
Nehmen wir einen Händler mit 800 Werkzeugartikeln, beschrieben durch 30 Merkmale, verkauft im eigenen Shop, auf Amazon, auf Otto und über einen Fachhändlerkatalog. Das sind 800 × 30 × 4 = 96.000 Werte, die zueinander passen müssen. Kommt eine österreichische Preisliste oder eine französische Fassung für die Schweiz hinzu, wächst die Textmenge weiter.
Auf diesem Niveau muss jede Änderung (eine neue Norm, ein Lieferant, der ein Bauteil tauscht) von Hand in vier Dateien übertragen werden, jedes Mal mit Fehlerrisiko. Die Warnsignale sind leicht zu erkennen:
- ein Fachhändler meldet, dass eine Angabe auf seiner Website falsch ist;
- ein Marktplatz lehnt Angebote wegen eines fehlenden Merkmals ab;
- die Einführung einer Produktlinie dauert bei der Datenpflege länger als in der Entwicklung;
- niemand weiß, welche Version der Produkttabelle die richtige ist.
Umgekehrt braucht ein Shop mit 150 Produkten auf einem einzigen Kanal kein PIM: Das Shopsystem genügt.
Was gehört in einen sauberen Produktdatensatz?
Ihre Vertriebskanäle geben die Anforderungen vor, und diese prägen Ihr Datenmodell. Ein gutes Beispiel ist die Produktdatenspezifikation des Google Merchant Center, die Shopping-Anzeigen und kostenlose Produkteinträge speist:
- Titel mit höchstens 150 Zeichen, Beschreibung mit höchstens 5.000 Zeichen;
- GTIN (in Europa meist die EAN-Nummer unter dem Strichcode), wenn das Produkt eine hat. Google schreibt, man solle sie nur angeben, wenn sie sicher korrekt ist, und im Zweifel weglassen, statt einen Wert zu raten;
- MPN (Herstellerartikelnummer) nach derselben Regel: nur angeben, wenn sie stimmt.
GTIN-Nummern vergibt in Deutschland GS1 Germany an Hersteller und Markeninhaber.
Dazu kommen gesetzliche Pflichtangaben. Seit dem 13. Dezember 2024 gilt die europäische Produktsicherheitsverordnung (Verordnung (EU) 2023/988, kurz GPSR). Wer online verkauft, muss im Angebot unter anderem Name und Kontaktdaten des Herstellers, Angaben zur Identifizierung des Produkts und gegebenenfalls Warnhinweise und Sicherheitsinformationen nennen. Bei Textilien kommt die Faserzusammensetzung hinzu, bei vielen Elektrogeräten das Energielabel. Jede dieser Pflichten ist ein weiteres Feld, das für jeden Artikel und jeden Kanal stimmen muss. Gerade hier zeigt ein PIM seinen Wert: Ein Pflichtfeld, das leer ist, blockiert die Veröffentlichung, statt erst nach einer Abmahnung aufzufallen. Ein gut eingerichtetes PIM prüft solche Regeln vor dem Versand. Es hilft auch in der Suche: Vollständige, eigene und einheitliche Produktseiten vermeiden doppelte Inhalte, die zu den häufigsten SEO-Fehlern im E-Commerce gehören.
Was bedeutet der digitale Produktpass für Ihre Produktdaten?
Für Unternehmen in Deutschland ist das kein Thema der fernen Zukunft. Die europäische Ökodesign-Verordnung für nachhaltige Produkte (Verordnung (EU) 2024/1781, kurz ESPR) ist seit dem 18. Juli 2024 in Kraft. Sie führt den digitalen Produktpass ein, den die Europäische Kommission als digitalen Ausweis für Produkte, Bauteile und Materialien beschreibt.
Welche Angaben er enthalten muss, wird Produktgruppe für Produktgruppe in delegierten Rechtsakten festgelegt. Möglich sind Angaben zu technischer Leistung, Materialien und deren Herkunft, Reparierbarkeit, Recycling und Umweltwirkung. Laut Kommission sollen Zollbehörden automatisch prüfen können, ob für importierte Produkte ein Pass existiert und ob er echt ist.
Für betroffene Unternehmen müssen diese Informationen irgendwo aktuell und eindeutig mit jeder Artikelnummer verknüpft vorliegen. Ein strukturiertes PIM ist dafür der naheliegende Ort. Fallen Ihre Produkte in die ersten betroffenen Gruppen, kostet eine vorausschauende Datenstruktur heute deutlich weniger als ein hektischer Umbau später. Verfolgen Sie die Veröffentlichungen der Kommission für Ihre Produktkategorie oder fragen Sie Ihren Branchenverband.
Wie wählen Sie ein PIM aus und führen es ein?
- Kanäle auflisten und notieren, was jeder verlangt (Felder, Formate, Sprachen). Diese Liste ist Ihr Lastenheft.
- Datenmodell festlegen: Produktfamilien, Merkmale je Familie, Pflichtmerkmale je Kanal. Das ist der längste und nützlichste Schritt.
- Zwischen Open Source und SaaS wählen. Akeneo bietet seine Community Edition als kostenloses Open-Source-PIM für kleine und mittlere Unternehmen an. Die Software ist gratis, Hosting, Updates und Schnittstellen verlangen aber einen Partner oder eigenes Know-how. Bezahlte SaaS-Produkte nehmen Ihnen diese Technik ab. Auch Anbieter aus dem deutschsprachigen Raum sind am Markt; vergleichen Sie mindestens drei.
- Schnittstellen prüfen zu Shopsystem, ERP und Marktplätzen. Eine fehlende Schnittstelle bezahlen Sie in Entwicklungszeit.
- Vor dem Import aufräumen. Dubletten, uneinheitliche Einheiten (Zoll und Millimeter gemischt), vom Lieferanten kopierte Texte: Korrigieren Sie das an der Quelle.
- Mit einer Produktfamilie beginnen, die gesparte Zeit messen und dann ausweiten.
Organisatorisch gilt: Benennen Sie eine verantwortliche Person für die Produktdaten. Ohne diese Zuständigkeit wird ein PIM innerhalb eines Jahres wieder zur teuren Tabelle. Liegen Kundendaten in einem eigenen System, klären Sie, welches System welche Daten führt. Unser Beitrag Was ist ein CRM? erklärt, wohin Kundendaten gehören.
Welche Fehler sollten Sie bei der PIM-Einführung vermeiden?
- Das Tool vor dem Datenmodell wählen. Die Software entscheidet nicht für Sie, welche Merkmale wichtig sind.
- Herstellertexte übernehmen. Sie stehen bei jedem Händler gleich da und bringen in der Suche nichts.
- Sprachen vergessen. Steht der Export in andere Länder auf dem Plan, legen Sie übersetzbare Felder von Anfang an an.
- Medien vernachlässigen. Schlecht benannte, übergroße Bilder schaden der Ladezeit und Ihren Core Web Vitals ebenso wie der Qualität der Produktseiten.
- Produkteinführungen unterschätzen. Ein PIM beschleunigt vor allem die Produkteinführung: Dort zeigt sich der Nutzen am deutlichsten.
Ein PIM verkauft nichts von selbst. Es sorgt dafür, dass alles, was über Ihre Produkte geschrieben steht, korrekt, vollständig und überall gleich ist. Mit jedem neuen Kanal und jeder neuen Vorschrift wird das wichtiger.
Häufige Fragen
Was ist PIM?
PIM steht für Product Information Management, auf Deutsch Produktinformationsmanagement. Gemeint ist eine Software, die alle Marketing- und Technikdaten Ihrer Produkte zentral verwaltet: Beschreibungen, Merkmale, Bilder, Übersetzungen, GTIN. Sie ist die einzige Quelle, aus der Onlineshop, Marktplätze wie Amazon oder Otto, Druckkataloge und Datenlieferungen an Händler gespeist werden.
Was ist der Unterschied zwischen PIM und ERP?
Ein ERP verwaltet operative Daten: Einkaufspreise, Lagerbestand, Aufträge, Rechnungen. Ein PIM verwaltet die Daten, die verkaufen: Texte, Merkmale, Medien, Übersetzungen. Beide ergänzen sich. Meist legt das ERP den Artikel mit Artikelnummer und Preis an, das PIM reichert ihn an und verteilt ihn an jeden Vertriebskanal im passenden Format.
Ab wie vielen Produkten lohnt sich ein PIM-System?
Eine offizielle Schwelle gibt es nicht. Aussagekräftiger ist die Zahl der zu pflegenden Werte: Produkte mal Merkmale mal Kanäle. 800 Artikel mit 30 Merkmalen auf 4 Kanälen ergeben 96.000 Werte. In dieser Größenordnung wird eine Tabelle zur ständigen Fehlerquelle, und ein PIM rechnet sich in der Regel.
Gibt es ein kostenloses PIM?
Ja. Akeneo bietet seine Community Edition als kostenloses Open-Source-PIM für kleine und mittlere Unternehmen an. Die Software kostet nichts, aber Hosting, Installation, Updates und Schnittstellen erfordern technisches Wissen oder einen Implementierungspartner, und das kostet. Bezahlte SaaS-Lösungen nehmen Ihnen diese Technik gegen ein Abo ab.