Zum Inhalt springen
digiteo
Menü

Follower kaufen: Erlaubt? Die echten Risiken für Firmen

Follower kaufen verstößt gegen die Regeln von Instagram und TikTok, für Firmen droht zudem Ärger nach UWG. Die Risiken und was stattdessen wirkt.

Von , Chefredakteur
Aktualisiert am · 6 Min. Lesezeit

Kurz gesagt: Wer Follower kauft, verstößt gegen die Regeln von Instagram und TikTok, die unechte Konten erkennen und löschen, und ein Unternehmen bewegt sich zusätzlich im Risikobereich des Wettbewerbsrechts (UWG). Der Gewinn ist rein kosmetisch: Steigt ein Konto von 2.000 auf 10.000 Follower bei unverändert 100 Interaktionen pro Beitrag, fällt die Engagement-Rate von 5 % auf 1 %, und genau auf diese Zahl achten Kunden und Partner.

Wer „Follower kaufen“ googelt, findet Dutzende Anbieter, die „1.000 echte deutsche Follower“ für wenige Euro versprechen, oft mit Zahlung per PayPal und „Nachfüll-Garantie“. Eine sichere Variante gibt es trotzdem nicht. Hier steht, warum das so ist und was stattdessen eine Zielgruppe aufbaut, die bei Ihnen kauft.

Was sagen Instagram und TikTok zum Kauf von Followern?

TikTok ist am deutlichsten. Die Community Guidelines zum Thema Integrität und Authentizität, veröffentlicht am 25. August 2026 und gültig ab dem 24. September 2026, untersagen die Inanspruchnahme von Diensten, die Interaktionen künstlich steigern oder das Empfehlungssystem manipulieren. Entdeckt TikTok Konten oder Inhalte mit nicht authentischen Metriken, werden laut den Richtlinien gefälschte Likes, Follower und andere überhöhte Signale entfernt. Die Konsequenzen reichen laut TikTok von der Entfernung von Inhalten bis zur Sperrung des Kontos. Wer ein neues Konto anlegt, um eine Sperre zu umgehen, verstößt erneut gegen die Regeln.

Instagram kündigte im November 2018 an, unechte Likes, Follows und Kommentare zu entfernen, die über Apps von Drittanbietern erzeugt werden. Solche Dienste verstoßen laut Instagram gegen die Gemeinschaftsrichtlinien und die Nutzungsbedingungen. Das Unternehmen setzt dafür maschinelles Lernen ein, um betroffene Konten zu erkennen, und warnte, dass Nutzer, die weitermachen, Einschränkungen spüren können.

Anders gesagt: Gekaufte Follower sind genau das, was beide Plattformen aktiv löschen. Sie bezahlen für etwas, das jederzeit verschwinden kann.

Ist Follower kaufen in Deutschland erlaubt?

Für eine Privatperson, die eine größere Zahl im Profil sehen möchte, gibt es keinen eigenen Straftatbestand. Für ein Unternehmen sieht die Lage anders aus, weil hier das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb greift.

Das UWG. Der Anhang zu § 3 Absatz 3 UWG enthält die sogenannte schwarze Liste, also geschäftliche Handlungen, die immer unzulässig sind. Seit der Umsetzung der EU-Omnibus-Richtlinie steht dort unter Nr. 23c die Übermittlung oder Beauftragung gefälschter Bewertungen oder Empfehlungen von Verbrauchern „sowie die falsche Darstellung von Bewertungen oder Empfehlungen von Verbrauchern in sozialen Medien zu Zwecken der Verkaufsförderung“. Ob gekaufte Follower darunter fallen, hat nach unserer Recherche noch kein veröffentlichtes deutsches Urteil ausdrücklich entschieden. Unabhängig davon verbietet § 5 UWG irreführende geschäftliche Handlungen, und ein künstlich aufgeblähtes Konto, das gegenüber Kunden Beliebtheit vortäuscht, ist ein naheliegender Fall dafür. Abmahnungen durch Mitbewerber oder Verbände sind im Wettbewerbsrecht das übliche Instrument.

Ein Beispiel aus der EU. Dass Behörden das Thema ernst nehmen, zeigt die Niederlande, wo dieselbe EU-Richtlinie über unlautere Geschäftspraktiken gilt. Am 19. Januar 2021 verhängte die Verbraucherbehörde ACM gegen den Onlineshop Bicep Papa, der Nahrungsergänzungsmittel verkauft, eine Anordnung unter Androhung von Zwangsgeldern bis 100.000 Euro. Laut ACM hatte das Unternehmen zwischen September 2018 und August 2020 rund 98.000 Follower und 27.000 Likes gekauft. Die Behörde wertete das als Irreführung von Verbrauchern.

Werbung mit Influencern. Wer als Marke mit Creatorn zusammenarbeitet, sollte deren Zahlen prüfen. Ein Influencer mit gekaufter Reichweite schadet nicht nur dem Kampagnenergebnis, sondern kann auch die werbende Marke in eine unangenehme Lage bringen. Mehr dazu steht in unserem Leitfaden zum Influencer-Marketing.

Was passiert konkret, wenn Sie Follower kaufen?

Die Anbieter versprechen „echte Follower“. In der Praxis bekommen Sie eine von drei Varianten.

  • Bots oder verwaiste Konten. Sie sehen Ihre Beiträge nie und reagieren nie. Diese Konten löschen die Plattformen zuerst.
  • Echte Konten ohne Interesse an Ihnen. Sie folgen gegen eine Gegenleistung (Engagement-Farmen, Follow-for-Follow-Systeme). Sie wohnen nicht in Ihrer Region, gehören nicht zu Ihrer Branche, und viele entfolgen nach wenigen Wochen wieder.
  • Follows über Ihr eigenes Konto. Manche Dienste verlangen Ihre Zugangsdaten. Das ist der schlimmste Fall: Sie geben die Kontrolle über Ihr Unternehmenskonto an Unbekannte ab. Instagram riet Nutzern solcher Apps schon 2018, das Passwort zu ändern, um den Zugriff zu beenden.

Dazu kommt das Zahlungsrisiko. Eine Website, die gefälschte Reichweite verkauft, hat wenig Grund, mit Ihren Zahlungsdaten sorgfältig umzugehen.

Wie wirken gekaufte Follower auf Engagement und Reichweite?

Nehmen wir das Instagram-Konto eines Malerbetriebs mit 2.000 echten Followern. Die Beiträge erzielen im Schnitt 100 Interaktionen (Likes, Kommentare, Speicherungen, Weiterleitungen).

SituationFollowerInteraktionen pro BeitragEngagement-Rate
Vor dem Kauf2.0001005 %
Nach dem Kauf von 8.000 inaktiven Followern10.0001001 %

Die Rechnung lautet Interaktionen geteilt durch Follower. Die 8.000 neuen Konten reagieren nie, also sinkt die Rate auf ein Fünftel. Wer das selbst nachrechnen möchte, nutzt unseren Prozentrechner.

Daraus folgen zwei Probleme.

  1. Sie verlieren Glaubwürdigkeit bei allen, die genau hinsehen. Eine Marke, die Kooperationspartner sucht, ein Journalist oder ein sorgfältiger Interessent sieht ein großes Konto, auf das niemand reagiert. Das ist ein klassisches Warnsignal.
  2. Ihre Beiträge erreichen weniger Menschen. Neue Inhalte werden zuerst einem Teil Ihrer Zielgruppe gezeigt. Besteht dieser Teil aus toten Konten, fällt die erste Reaktion schwach aus, und die Verbreitung stoppt früher. TikTok schließt Inhalte, die Menschen dazu bringen sollen, die Zahl der Likes oder Follower zu erhöhen, ausdrücklich vom „Für dich“-Feed aus.

Warum ein seriöses Unternehmen keine Reichweite kauft

Vertrauen entsteht durch echte Zahlen. Ein aufgeblähtes Konto täuscht Kunden und Partner, und es fliegt früher oder später auf. Räumt die Plattform auf, sieht jeder den plötzlichen Follower-Einbruch, und Screenshots davon verbreiten sich schnell. Einen solchen Imageschaden zu reparieren ist Aufgabe des Online-Reputationsmanagements und kostet deutlich mehr, als die Follower je gekostet haben.

Dazu kommen die Opportunitätskosten. Jeder Euro und jede Stunde, die in gefälschte Reichweite fließen, fehlen bei den Maßnahmen, die echte Kunden bringen.

Was funktioniert stattdessen, um echte Follower zu gewinnen?

Nichts davon wirkt über Nacht. Alles baut eine Zielgruppe auf, die kaufen kann.

  1. Ein Thema wählen und dabei bleiben. Ein Konto zu einem klar umrissenen Nutzen (Parkett aufarbeiten, Steuern für Selbstständige, saisonales Backen) empfiehlt der Algorithmus leichter als einen Bauchladen.
  2. Mit einem benachbarten Konto zusammenarbeiten. Ein gemeinsamer Beitrag mit einem ergänzenden Betrieb oder Creator bringt Sie vor ein Publikum, das bereits passt. Instagram bietet dafür Collab-Beiträge an.
  3. Einen erfolgreichen Beitrag bewerben. Statt Follower zu kaufen, bezahlen Sie dafür, einen bewährten Beitrag einer definierten Zielgruppe zu zeigen. Dann zahlen Sie für Sichtbarkeit bei echten Menschen. Die Einstellungen erklärt unser Leitfaden zur Online-Werbung für KMU.
  4. Allen antworten. Kommentare, Direktnachrichten, Erwähnungen: Jede Antwort stärkt die Beziehung und zeigt ein lebendiges Konto.
  5. Ein ehrliches Gewinnspiel veranstalten. Klare Teilnahmebedingungen, ein Preis mit Bezug zu Ihrem Angebot, ein Hinweis zum Datenschutz und die Freistellung der Plattform gemäß deren Richtlinien. So gewinnen Sie Interessenten statt Preisjäger.
  6. Bestehende Kunden einladen. Ein Link in der E-Mail-Signatur, auf Rechnungen, ein Schild an der Theke. Das sind die wertvollsten Follower, die Sie bekommen können.

Speziell auf TikTok werden Videos auch Menschen gezeigt, die Ihnen nicht folgen. Guter Inhalt kann also weit über Ihre Follower-Zahl hinaus wirken. Mehr dazu in unserem Beitrag über TikTok für Unternehmen. Ordnen Sie alles in eine Social-Media-Strategie mit messbaren Zielen ein.

Sie haben bereits Follower gekauft: was nun?

Keine Panik, aber handeln.

  • Passwort ändern und die Zwei-Faktor-Authentifizierung aktivieren, vor allem, wenn Sie dem Dienst Ihre Zugangsdaten gegeben haben.
  • Verknüpfte Apps entfernen, die in den Sicherheitseinstellungen Zugriff auf Ihr Konto haben.
  • Nicht nachkaufen, um gelöschte Follower auszugleichen.
  • Die Plattform aufräumen lassen oder offensichtlich unechte Follower selbst entfernen, wenn die Zahl überschaubar ist.
  • Engagement-Rate berichten statt Follower-Zahl. Diese Kennzahl zählt für Kunden, Partner und Plattformen.

Wer mit diesem Konto weiterarbeitet, sollte die nächsten Monate als Neustart betrachten: wenige, gute Beiträge, ehrliche Zahlen und eine Zielgruppe, die tatsächlich reagiert.

Häufige Fragen

Ist Follower kaufen in Deutschland erlaubt?

Für Privatpersonen gibt es keinen eigenen Straftatbestand, die Plattformregeln werden aber verletzt. Für Unternehmen ist es heikler: Das UWG verbietet im Anhang Nr. 23c, Bewertungen oder Empfehlungen von Verbrauchern in sozialen Medien zur Verkaufsförderung falsch darzustellen. Gekaufte Follower, die Beliebtheit vortäuschen, bewegen sich genau in diesem Bereich, auch wenn ein deutsches Urteil speziell dazu fehlt.

Erkennen Instagram und TikTok gekaufte Follower?

Ja. TikTok schreibt in seinen Community Guidelines, dass es gefälschte Likes, Follower und andere überhöhte Signale entfernt, sobald es nicht authentische Metriken entdeckt, und dass es betroffene Konten einschränken kann. Instagram setzt seit 2018 maschinelles Lernen ein, um Konten zu erkennen, die Follower-Apps nutzen, und entfernt die unechten Aktivitäten. Gekaufte Follower können also über Nacht verschwinden.

Schaden gekaufte Follower der Engagement-Rate?

Ja, rein rechnerisch. Bringen 2.000 echte Follower 100 Interaktionen pro Beitrag, liegt die Engagement-Rate bei 5 %. Kommen 8.000 inaktive Konten dazu, sind es 10.000 Follower bei denselben 100 Interaktionen, also 1 %. Marken, Agenturen und aufmerksame Kunden schauen genau auf diesen Wert, und ein großes Konto ohne Reaktionen wirkt verdächtig.

Kann mein Konto wegen gekaufter Follower gesperrt werden?

Das ist möglich. TikTok untersagt Dienste, die Interaktionen künstlich steigern, und kann Konten sperren, auch neue Konten, mit denen eine Sperre umgangen werden soll. Wer einem Follower-Dienst zusätzlich sein Passwort überlässt, riskiert außerdem, die Kontrolle über das Unternehmenskonto an Fremde abzugeben. Das ist oft der größere Schaden.

Quellen

  1. TikTok, Community Guidelines: Integrität und Authentizität (veröffentlicht am 25. August 2026, gültig ab 24. September 2026)
  2. Instagram, Reducing Inauthentic Activity on Instagram (November 2018)
  3. Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG), Anhang zu § 3 Absatz 3, Nr. 23b und 23c
  4. Autoriteit Consument & Markt (ACM), ACM forces online store to stop using fake likes and fake followers (19. Januar 2021)